MS Nordstjernen – charmanter Vestland-Klassiker auf Kreuzfahrtkurs
Dieses Schiff atmet an jeder Stelle Geschichte. Eine Geschichte, die es zu erhalten lohnt. Und genau das macht der norwegische Vestland-Classic-Reeder Jarle mit seiner 28- köpfigen Schiffs-Crew. Mit 69 Jahren ist nach menschlichem Ermessen kein Schiff mehr so richtig jung und MS Nordstjernen ist daher inzwischen sogar denkmalgeschützt.





Bevor der klassische Liner im Jahr 2026 sein 70-jähriges (!) Dienstjubiläum begeht, hat man das in Hamburg gebaute 2200-Tonnen-Schiff äußerst aufwendig renoviert und In Stand gesetzt. Mit viel Liebe zum Detail und einem Multi-Millionen-Investment wurde in den letzten Jahren immer wieder alles sichtbare und unsichtbare laufend gewartet und gepflegt – zumindest das, was man entsprechend den Denkmalschutzvorgaben machen konnte. Und so finde ich an Bord nirgends mehr Rost – MS Nordstjernen erstrahlt bis in den letzten Winkel frisch lackiert in leuchtenden Farben.




Ebenso die Decks: Es ist eine Freude die mit Holz beplankten Außenbereiche zu betrachten und eine noch größere auf eben diesen zu Schreiten! Derartige Originalität findet man heute praktisch auf keinem in Fahrt befindlichen Schiff mehr auf See. Klar, dass man sich als Gast daher gerne an die aufgestellten Regeln hält, um das hochwertige Holz zu schonen und die aufgestellten Decksstühle an Ort und Stelle belässt – Schäden sind somit quasi ausgeschlossen und MS Nordstjernen dankt.




Auch im Schiffsinnern sieht es genauso gut aus: Korrodierte Fensterrahmen aus Hurtigruten-Zeiten sind verschwunden und die in die Jahre gekommenen Fensterrahmen wurden durch frisches Holz ersetzt. Dennoch hat die Inneneinrichtung aus Liniendienstzeiten á la Hurtigruten einen äußerst hohen Wiedererkennungswert.









Das Gesamtbild überzeugt mich. Apropos „Holz“: Ich habe keinen Ort an Bord gefunden, wo nicht irgendwo etwas mit Holz gearbeitet wurde – sogar in unserer Duschecke im Bad finden sich Holzleisten. Bei modernen Schiffen der Neuzeit undenkbar. Einmal mehr also ist MS Nordstjernen ein lebendes Stück Geschichte. Zusätzlich erfreuen sich auch die Augen des Betrachters an echten Pflanzen auf allen Speisetischen und im Salon. Vestland Classic beweist eben auch an dieser Stelle Liebe zum Detail – Chapeau!






Die Kabinen – eine Reise in die Vergangenheit
Die Kabinen sind – keine Frage – ebenso die Zeugen ihrer Zeit. Mit heutigen Standards haben diese nicht viel gemein. Dies sollte einem vor der Reise bewusst sein und mit dem, an dieser Stelle, richtigen „Mindset“ wird man keinen Grund zur Klage haben.










Wichtig ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass es jedem Gast zu empfehlen ist, mit einem Minimum an Gepäck an Bord zu gehen, da die Kabinen insgesamt nicht sehr groß sind. Seinen Koffer wird man auf der Reise sowieso nicht auspacken – viel zu gering ist der Stauraum in Kabine und Bad (wenn man denn überhaupt ein eigenes Bad hat). Findet man sich dafür in einer Kabine mit Bullauge oder einem Fenster wieder, zählt man zu den priviligierten der Neuzeit: Die Bullaugen lassen sich nämlich noch vom Gast öffnen und sorgen so für das rechte Maß an Frischluft. Wer dagegen im Bad heiße Luft zum Trocknen der Haare sucht, muß an der Rezeption für einen Leihfön vorstellig werden, da die Kabinen standardmäßig über keinen verfügen. Wie überall an Bord, so ist es angezeigt sich auch in seiner Kabine zu benehmen und Ordnung zu halten: Der heutzutage, auf Kreuzfahrtschiffen übliche, tägliche Kabinenservice findet nämlich an Bord der Nordstjernen lediglich nur auf expliziten Wunsch hin statt. Zusätzlich beschränkt sich dieser lediglich auf das Reinigen des Bades; Bettenmachen und Aufräumen ist Sache des Gastes.

Der Schiffsrundgang – MS Nordstjernen auf fünf Decks
Mitte der 50iger Jahre des vorherigen Jahrhunderts musste es schnell gehen: Die norwegische Postschiffline brauchte nach dem zweiten Weltkrieg schnell neue Schiffe. Den Norwegern kam damals sehr gelegen, dass sie noch die Baupläne des Vorgänger-Dampfschiffes Nordstjernen parat hatten und nun lediglich eine Werft suchen mussten, die das neue Schiff leicht größer und moderner bauen konnten, doch im Wesentlichen auf die bestehenden Konstruktionspläne zurückgreifen mochte. Bei Blohm und Voss in Hamburg wurde man damals schließlich fündig. Die Schiffsbauer von der Elbe bekamen damals ihren ersten Auftrag nach dem Krieg und hatten aus Kriegszeiten sogar noch ausreichend Stahl vorrätig. Glück für die Nordstjernen; wurde der Rumpf nun doch mit 18mm Stärke etwa doppelt so stark, wie es bei zivilen Schiffen sonst üblich ist. Vielleicht ist dieser „Anfangsfehler“ der Grundstein dafür gewesen, warum der smarte Liner bis heute jeden Sturm so erfolgreich trotzt und seine zahleichen Dienstjahre mit Bravour meistert.





Gibt es an Bord eine Showlounge, Poollandschaft, Pizzeria oder Kletterei am Schornstein? Nein natürlich nicht! Fehlanzeige für derlei Modernitäten an Bord der „Stjerna“. Dafür ist man dem Meer überall sehr nah. Manchmal sogar besonders nah, wenn sich der Schiffsklassiker ohne Stabilisatoren bei Wind und Wellen mal etwas mehr zur Seite neigt.




Wie auf jedem Hochseeschiff, gilt auch hier die goldene Regel: „Eine Hand für sich, eine Hand für das Schiff“. Doch nicht nur die zahlreichen Außendecksbereiche sind ein vollwertiges Unterhaltungsprogramm:
Dazu zählt auch die offene Brücke, die beinahe jederzeit für einen Besuch einlädt. Kapitän Odd und seine Offiziere stehen hier gerne bereit, Fragen zu beantworten oder aus dem Nähkästchen zu plaudern.







Und wer es ganz genau wissen möchte, besucht auf einer geführten Tour Chief Engineer Tito in seinem Reich, dem Maschinenraum. Ohne lange nachdenken zu müssen weiß er Fragen zu parieren und alle interessierten Besucher mit Zahlen zu versorgen:
70.000 Liter Tankinhalt, in die relativ umweltfreundliches „MGO“ (Marine Gas Oil) getankt wird; während der Fahrt rund 230 Liter stündlicher Treibstoffverbrauch; eine vierblätterige Schiffschraube mit verstellbaren Schraubenblättern, die sich mit 135 Umdrehungen pro Minute dreht; eine 40m lange Schiffswelle, die mehrfach täglich manuell geschmiert wird und über einen 8-Zylinder-Motor (Baujahr 1985) angetrieben wird – und vieles, vieles mehr.







Und auch sonst gibt es etliches auf den fünf Decks zu entdecken: Das Sonnendeck bietet einige Sitzmöglichkeiten und zugleich den Zugang zur Brückennock. Auf dem daruntergelegenen Salondeck spielt sich das meiste Leben an Bord ab: Vorne die geräumige Lounge, die gefühlt einem urigen Wohnzimmer aus den 50iger Jahren entsprungen ist – passenderweise fehlt hier auch der heute allgegenwärtige Fernseher.




Das ehemalige Bord-Café mittschiffs wird jetzt ebenfalls mit als Restaurant genutzt und so kommt man hier in einer Essenssitzung auf 110 Sitzplätze für alle Kreuzfahrtgäste. Buffetbereich und Restaurantwände sind wie überall an Bord mit reichlich künstlerischen Gebilden vom Neffen Paul Gaugin´s versehen und geben den öffentlichen Räumen ihren eigenen, sehr attraktiven Stil. Die Schiffsbar achtern ist nicht groß, aber gemütlich und steter Quell kühler Getränke und guter Gespräche zwischen den Gästen. Gleich neben der Bar gibt es die 24/7-Tee und Kaffeestation, sowie die Mini-Bibliothek an Bord.















Hinter der Hecklounge befindet sich eines meiner beiden Highlights an Bord: Die achtern gelegene Sonnenterrasse. Ein wahrer Hingucker ist nicht nur das Holzparkett in Hochglanzoptik, sondern auch das Steuerrad, was vor der übergroßen Norwegenflagge prächtig in Szene gesetzt wird. Dass das Steuerrad im Notfall sogar einsatzklar ist, bestätigt Kapitän Odd auf Nachfrage und macht die Nordstjernen ein weiteres Mal einzigartig.


Das C-Deck darunter ähnelt einem Promenadendeck, da man hier wunderbar – und beinahe komplett – den Oldie-Kreuzer umrunden kann. Neben den geräumigsten Kabinen auf dem Schiff findet man hier die Rezeption und das Bordhospital. Letzteres allerdings ohne Arzt an Bord.


Geheimtipp: Geht man auf dem C-Deck außen weiter Richtung Bug nach vorne, biegt um ein paar Ecken ab und steigt eine Treppe hinauf, so kommt man zu meinem persönlichen Highlight Nummer Eins an Bord – dem Vorschiff. Früher wurde hier Fracht geladen und gelöscht, heute lagern hier die Zodiacs für Landausflüge. Doch nicht nur das: Dieser Bereich steht grundsätzlich allen Gästen offen – selbst bei Kranarbeiten mit den Zodiacs, sowie beim An- und Ablegen. Eine Selbstverständlichkeit ist es, dass man weder zu neugierig im Weg herumsteht, noch sich oder die Crew in Gefahr bringt. Während der Fahrt auf hoher See hier seine Nase über die Bugspitze zu strecken, während diese durch die mitunter aufgewühlte See schneidet, gibt einem ein einzigartiges Gefühl! Solch ein meeresnahes Erlebnis kann heute beinahe kein Kreuzfahrtschiff mehr bieten – umso schöner ist es, dies hier erleben zu dürfen.





Die untersten Decks „B“ und „A“ sind klassische Kabinendecks. Hier gleicht fast keine Kabine der anderen. Damals wurde in jede Ecke und um jede Ecke herum eine Kabine individuell verbaut. Während man auf modernen Schiffsneubauten fast durchweg sagen kann „Wenn man eine Kabine einer Kategorie gesehen hat, kennt man alle“, so trifft das an Bord der Nordstjernen gewiss nicht zu. Die Größen variieren ebenso wie die Ausstattung und die Grundrisse. Für die 28 Kabinen am Heck ohne eigene Dusche und WC gibt es entsprechend zusätzliche, sanitäre Einrichtungen auf den beiden Decks. Zusätzlich muss man bei den Kabinen am Heck beachten, dass diese durchaus zu spürbaren Vibrationen neigen – die Schiffsschraube lässt grüßen.
Darüber hinaus wird es Individualisten freuen, was Freunde der Zweisamkeit enttäuschen mag: Doppelbetten gibt es an Bord keine: Geschlafen wird in Einzelbetten bzw. Etagenbetten. Wer in letzteren ruht, der sollte „Leiter-fest“ sein, um die steile Stiege hinauf zu kraxeln. Auch das ist ein lebendig gebliebenes Relikt aus längst vergangenen Tagen. Und genau das ist es auch, was vieles an Bord so liebenswert erscheinen lässt.
SHIPS@SEA Resumée
Dieses „liebenswerte“ ist es, was MS Nordstjernen ausmacht. Doch das gilt nicht nur für das Schiff selbst, sondern in gleichem Maße für seine Besatzung. Vom Kapitän bis zum Kellner sind alle äußerst freundlich und sichtlich um die Gäste bemüht. Das verkörpert auch ganz besonders Reiseleiterin Ruth Moritz: Von früh bis sehr spät ist sie auf den Beinen und organsiert die Tagesabläufe, hält informative Vorträge und macht Ansagen zu sehenswerter Flora und Fauna entlang der Strecke. All das gepaart mit authentischer Begeisterung, die die Gäste spüren und diesen Funken spätestens am zweiten Reisetag auch in sich tragen.







Wundert es da, dass am Ende der Reise sich alle zur Verabschiedung in den Armen liegen und man nur widerwillig von Bord gehen mag? Mich zumindest nicht, denn zu einzigartig ist dieses Reiseerlebnis aus dem Hause Vestland Classic, das einen persönlich berührt und begeistert. Ein tolles Gefühl, welches heutzutage auf hoher See nur noch schwerlich zu finden ist. Und so ist mir eines klar: MS Nordstjernen ist so gut „in Schuss“, dass sie noch viele, viele Jahre weiter auf hoher See kreuzen kann und in mir hat Schiff und Reederei erfolgreich den Wunsch erwachsen lassen aus vollem Herzen „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Denn das alles möchte ich auf jeden Fall einmal wieder sehen und erleben. In diesem Sinne:
„Ahoi Stjerna“ und auf bald!
Du hast noch mehr Nordstjernen-Hunger?
Dann laden wir Dich ein, in Kürze mit unserer STORY@SEA ab Norwegen Kurs auf die Orkney- und Shetlandinseln mit MS Nordstjernen zu setzen. Oder besuche hier die umfangreichen Aufnahmen von „Stjerna“ in unserer grossen Galerie.
Zum aktuellen Kreuzfahrtprogramm des Anbieters Vestland Classic gelangst Du hier.

Übrigens: Wer eine Kreuzfahrt bei Vestland Classic bucht, muss diese zunächst weder anzahlen noch vor Reiseantritt komplett bezahlen. Das gestattet Vestland Classic seinen Gästen ausdrücklich auch am Abreisetag an Bord(!) – in bar oder per Karte – zu machen. Eine heutzutage unübliche wie vertrauensfördernde Geschäftspolitik – ein weiterer Umstand der die Reederei, wie ihre Flotte so unverwechselbar einzigartig macht.
Werbung: SHIPS@SEA reiste auf Einladung von Vestland Classic und mit hervorragender Unterstützung der liebevollen Nordstjernen-Crew.
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